#37 - Gesundheit beginnt mit Grenzen
Shownotes
Warum fällt uns ein Nein oft schwerer als ein Ja, das wir eigentlich gar nicht meinen?
Warum schaffen es unsere Zellen mühelos, zwischen innen und außen zu unterscheiden – während wir drei Absätze brauchen, um einen Termin abzusagen?
Und warum merken wir manchmal erst viel zu spät, dass wir längst über unsere eigene Grenze gegangen sind?
In dieser Folge geht es um Grenzen. Nicht als Mauer. Nicht als Kontaktabbruch. Und auch nicht als neues Selbstoptimierungsprojekt.
Sondern um die Frage, warum alles Lebendige Grenzen braucht, was unser Nervensystem damit zu tun hat und warum manche Menschen andere so gut spüren, dass sie sich selbst dabei verlieren.
Wir sprechen über Zellmembranen, Homöostase, Bindung, People Pleasing, systemische Dynamiken, berufliches Helfen, Nähe, Kontrolle und die Kunst, verbunden zu bleiben, ohne sich selbst zu verlassen.
Denn vielleicht ist eine Grenze nicht der Ort, an dem Beziehung aufhört.
Vielleicht ist sie genau der Ort, an dem echte Beziehung überhaupt erst möglich wird.
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Der Podcast Kiezgeflüster – Starkes aus Staaken ist ein Projekt des
IGZ NestWerk-Staaken und wird gefördert aus Mitteln des
„Landesprogramms Integrierte Gesundheitszentren“
der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege.
Transkript anzeigen
00:00:03: Willkommen bei Starkes aus Starken.
00:00:06: Dieser Podcast ist für alle die mitten im Chaos weiteratmen, für alle, die sich was trauen, obwohl sie Angst haben.
00:00:15: Wir reden über Wege, die es offiziell nicht gibt und über Kraftquellen, die man nur findet, wenn man wirklich hinschaut – im Körper, in Inneren und im Miteinander.
00:00:36: unserer weiteren Podcast-Folge.
00:00:39: Wir haben letzte Woche über den Körper gesprochen, wir haben über Beziehung gesprochen und jetzt möchte ich unbedingt mit euch über Grenzen sprechen!
00:00:50: Also wird es wieder eine Solofolge weil so vieles miteinander zusammenhängt was?
00:00:59: Und vor allen Dingen macht Wissen unglaublich viel stark und ich habe Lust euch noch ein bisschen mehr in die Wissenswelt mitzunehmen Genau, um ein bisschen etwas zu streuen.
00:01:15: Und Grenzen ist etwas was uns auch allgegenwärtig begegnet.
00:01:22: Was immer allgegend wertig ist und was immer da ist.
00:01:25: Deswegen darf das in unserer Reihe nicht fehlen.
00:01:30: Also lasst uns mal beginnen!
00:01:33: Diese Folge ist die Folge wo es um Gesundheit geht und die beginnt mit Grenzen.
00:01:41: Denn alles liebendige braucht einen Innen- und ein Außen, wir haben das in unserer Haut.
00:01:46: Ein Innen-, ein Außendiehaut ist allein schon eine Grenze!
00:01:50: Und so können wir gleich einsteigen denn?
00:01:54: Wir haben ja mit dem Körper gesprochen und wir haben über unsere Haut gesprochen, über unser Berührung gesprochen und über einen Satz bin ich danach selbst noch gestolpert dass ja unsere Haut gleichzeitig Kontaktfläche und Grenze ist.
00:02:10: Also sie sagt, hier bin ich – und dort beginnt die Welt!
00:02:14: Und genau deshalb möchte ich heute bei diesen Grenzen bleiben.
00:02:19: Denn vielleicht haben wir bei Grenzen ein grundsätzliches Missverständnis?
00:02:24: Wir denken ja bei Grenzens so eher an Mauern und an Abweisungen, an Kontaktabbruch, an so ein ziemlich energetisches Nein.
00:02:36: Dabei gibt es ohne Grenzen ja auch überhaupt kein Leben.
00:02:41: Tauchen wir mal einen die Naturwissenschaft!
00:02:44: Eine Zelle braucht ein Zellmembran, ein Organismus braucht die Haut, ein Haus braucht Wände.
00:02:55: Ein Land hat Grenzen, ein Fluss braucht ein Ufer Zum Beispiel.
00:03:02: ein Fluß ohne Ufer ist nicht besonders frei Er ist dann eine Überschwemmung.
00:03:11: Und vielleicht geben Grenzen dem Leben überhaupt erst eine Form?
00:03:16: Bleiben wir mal bei dem Zellmembran!
00:03:19: Der menschliche Körper besteht ja grob aus zig Billionen Zellen, ich glaube die Schätzung ist so bei dreizig Billionen und jeder einzelne lebt ja nur weil sie unterscheiden kann zwischen innen und außen.
00:03:33: also die zellmemran haben ja keine Betonwand oder ist eben keine Betonwand.
00:03:41: Sie ist selektiv durchlässig, also sie kann bestimmte Stoffe hineinlassen und andere hinaus – also in einer Kommunikation.
00:03:48: hier aber unbegrenzten Zugang?
00:03:51: Nein!
00:03:53: Eine gesunde Grenze verhindert somit Beziehung nicht sondern sie reguliert Beziehungen sowie unser Zellmembran.
00:04:01: Weil das Zellmembran sagt ja nicht, moah ich möchte niemanden ausschließen also kommt einfach alle rein.
00:04:07: Dann wäre unsere Zelle ja ziemlich schnell erledigt und somit können wir mal über die Osmose sprechen.
00:04:14: Konzentrationsunterschiede Also.
00:04:18: der Körper reguliert sich permanent Temperatur pH Wert Blutzucker Wasserhaushalt.
00:04:27: Unser Körper verbringt sein ganzes Leben damit Grenzen zu regulieren.
00:04:32: Nur wir Menschen haben irgendwann beschlossen, dass Grenzen irgendwie unfreundlich sind.
00:04:39: Gehen wir mal zum Immunsystem – das ist sowieso mega spektakulär!
00:04:44: Was macht eigentlich unser Immun-System?
00:04:47: Es muss unterscheiden was gehört zu mir und was ist fremd?
00:04:52: Was ist gefährlich?
00:04:53: Was darf bleiben?
00:04:55: Was muss bekämpft werden?
00:04:58: Und wenn wir mal so richtig in die Dualität eintauchen Ein Immunsystem, das zu wenig reagiert, schützt nicht ausreichend.
00:05:10: Ein Immunsystem, das überreagiert kann ebenfalls Schaden anrichten und damit haben wir unser gesamtes Beziehungsthema quasi biologisch vor uns.
00:05:23: also zudurchlässig zu sein ist nicht gesund komplett dicht zu sein aber auch nicht.
00:05:32: Gesundheit liegt nicht in der maximalen Abgrenzung sondern in der Regulationsfähigkeit.
00:05:40: Und somit entsteht aus dem Satz dann Setz halt Grenzen, auf einmal entsteht ein ganz neues Bild oder?
00:05:53: Also wenn du dich fragst wann hast du das letzte Mal ja gesagt und eigentlich nein gemeint?
00:06:04: Oder wann hast Du geschrieben Ja klar gerne Und dabei aber gedacht, poh auf gar keinen Fall.
00:06:12: Wann hast du das letzte Mal gesagt?
00:06:15: Kein Problem!
00:06:16: Obwohl dein ganzer Körper gesagt hat, äh doch Riesenproblemen.
00:06:24: Man hast du dich für ein Nein fünf Minuten lang gerechtfertigt?
00:06:29: oder warum schreiben wir?
00:06:32: es tut mir so leid ich würde wirklich wahnsinnig gerne Aber leider in dieser Woche gerade total, wenn eigentlich der Satz lauten könnte.
00:06:45: Ich kann Donnerstag nicht!
00:06:47: Warum fühlen sich manche Menschen schuldig, wenn sie nicht sofort antworten?
00:06:51: Warum gehen wir ans Telefon, obwohl wir grade nichts sprechen wollen?
00:06:55: Warum lassen wir uns umarmen, obwohl unser Körper einen Millimeter zurückweicht?
00:07:02: Warum haben Menschen Sex, obwohl Sie eigentlich schlafen
00:07:05: wollen?!
00:07:06: Warum übernehmen wir auf Arbeit noch eine Aufgabe, obwohl wir schon längst überlastet sind?
00:07:13: Und warum hören wir uns zum zwölften Mal dasselbe Problem an – obwohl wir innerlich denken….
00:07:21: Bitte such dir dafür jetzt jemand anderen.
00:07:25: Also, warum ist es für manche Menschen leichter sich selbst zu überschreiten als einen anderen Menschen zu enttäuschen?
00:07:34: Dann lass uns mal eintauchen, warum sich ein Nein manchmal wie Gefahr anfühlt!
00:07:41: Also ich möchte weg von.
00:07:42: Menschen ohne Grenzen sind zu nett.
00:07:45: Nein, nein, nein!
00:07:47: Manchmal waren fehlende Grenzen einmal eine verdammt intelligente Überlebensstrategie.
00:07:55: Ein kleines Kind zum Beispiel ist ja abhängig vom Beziehung.
00:07:59: Wenn Beziehungen Sicherheit bedeutet kann Anpassung sinnvoll sein.
00:08:02: ein Kind kann nicht sagen Mama Ich nehme wahr dass du emotional dysreguliert bist.
00:08:08: Ich ziehe mich für drei Monate in meine Zweitwohnung zurück.
00:08:12: Es geht nicht.
00:08:14: Es muss bleiben!
00:08:15: Also lernt es, wie ist die Stimmung?
00:08:17: Ist Papa heute ansprechbar?
00:08:19: Ist Mama traurig?
00:08:20: Muss ich lieb sein?
00:08:21: Muss sich ruhig sein?
00:08:23: Muss ich Leistung bringen?
00:08:24: Was darf ich sagen?
00:08:25: Was besser nicht?
00:08:27: und irgendwann wird aus Ich nehm dich gut wahr zu Ich nehme dich besser wahr als mich.
00:08:36: Riesenthema oder also Nicht jeder Mensch reagiert auf Stress mit Kampf oder Flucht.
00:08:45: Sehr, sehr viele gehen in die Anpassung.
00:08:48: Sie beschwichten, sie werden nett helfen zu stimmen einfach Konflikt vermeiden und so können wir eigentlich sauber feststellen.
00:09:02: Und das Kennen dieses Muster kennt jeder.
00:09:07: Wir wollen einfach nicht unangenehm sein.
00:09:12: Also anstatt zu sagen hör auf kommt Ha, ja.
00:09:19: Alles gut!
00:09:20: Und der Mund lächelt und der Bauch schmerzt.
00:09:25: People pleasing.
00:09:27: People-pleasing sieht von außen oft nach Freundlichkeit aus und kann sich von innen wie ein Selbstverlassen anfühlen.
00:09:38: Nicht jede Freundlichkeit ist wiederum auch people-pleasings?
00:09:41: natürlich nicht.
00:09:43: aber die entscheidende Frage könnte sein bin ich gerade freundlich weil ich möchte?
00:09:49: oder weil ich Angst vor deiner Reaktion habe.
00:09:53: Das ist ein Unterschied!
00:09:57: Wenn wir mal so reingehen in meine Paar- und familientherapeutische Tätigkeit, dann stelle ich ganz oft fest das Grenzen nie allein existieren.
00:10:11: Weil wenn ich als Mensch in einem System meine Grenzen verändere, Also wenn zum Beispiel eine Frau fünfzehn Jahre lang alles organisiert hat und plötzlich sagt, ich übernehme es nicht mehr.
00:10:28: Dann wird die Familie ... Nicht sagen?
00:10:32: Wunderbar Mama, herzlichen Glückwunsch zu deiner gelungenen Individuation!
00:10:37: Nein das System reagiert.
00:10:39: Kinder beschweren sich Partner als irritiert Kollegen fragen nach Und vielleicht kommt Du bist aber verändert.
00:10:46: Früher warst du unkomplizierter.
00:10:48: was ist denn jetzt los mit dir?
00:10:51: Und dann unser Satz.
00:10:54: Manchmal ist, dass du dich veränderst eben kein Vorwurf.
00:10:59: Es ist lediglich die Feststellung, das alte System nicht mehr funktioniert.
00:11:05: und das ist das was ich ganz viel in meiner Praxis beobachte wie dieser Veränderungsprozess eigentlich das Schwerste ist also aus der Komfortzone von dem System was man um sich herum erschaffen hat.
00:11:26: Aus deren Komfortzone auszusteigen?
00:11:32: Wir können zum Beispiel auch mal zur Differenzierung des Selbstgehen, also sehr vereinfacht die Frage sich zu stellen kann ich emotional mit ihr verbunden bleiben ohne mich selbst zu verlieren?
00:11:50: und ich kann euch gleich sagen das ist eine Königsdisziplin.
00:11:53: Also, nicht ich brauche niemanden und nicht ich mache nur noch meinen Dingen sondern kann ich dir nah sein und trotzdem bei mir bleiben.
00:12:03: Das wäre nämlich eine gesunde Grenze Und das ist ja Königsdisziplin.
00:12:11: also Nähe braucht Differenz.
00:12:16: Wisst ihr was Social Media irgendwie super merkwürdig gemacht hat?
00:12:23: Lass uns nochmal zum Anfang gehen.
00:12:25: Eine Grenze ist, wie gesagt keine Mauer.
00:12:30: Jede Beziehung ist durchwandert von Irritationen und jede Irrition ist ja eine Grenzüberschreitung.
00:12:43: Und wenn wir diese als eine Grenzy überschreitungen wahrnehmen die wir mit Fight oder Flight regulieren dann haben wir uns zwar irgendwie hervorragend geschützt Aber über kurz oder lang sitzen wir ja dann allein in diesem Frieden.
00:13:07: Das haben wir im Berlin auch mittlerweile, oder Berlin steht leider dafür sehr – es passt und das passt nicht!
00:13:16: Und das wird innerhalb von wenigen Tagen Wochen entschieden.
00:13:21: Weniger Dates!
00:13:23: Und somit kommen wir immer mehr in die Vereinzelung.
00:13:30: Also wo entwickeln wir über die Reibung Flexibilität, Beweglichkeit?
00:13:41: Wenn wir Grenzen begegnen dann lernen wir ja nicht mit diesen Grenzen umzugehen.
00:13:49: Ein Stein muss erkennbar werden als ein Stein der vor uns liegt dass wir den umlaufen können das wir auch rüber springen können je nach Größe Mauern?
00:14:04: Ja, vielleicht wollen die liebevoll angeklopft werden oder vielleicht gibt es auch eine Tür in dieser Mauer.
00:14:16: Zusammengefasst keine Grenze heißt ich verliere mich starre Grenze Ich verlihere Verbindung gesunde Grenze wie mit dieser Tür in der Mauer.
00:14:35: Schweiß, Temperaturregulation, Kontakt.
00:14:40: Zellmembran, selektive Durchlässigkeit Flussufer – es hält Selbst die Erde ist ja beweglich.
00:14:49: Also alles lässt Bewegung zu und deswegen ist eine gesunde Grenze eben keine Mauer.
00:14:58: Sie isst diese Tür mit einer Klinke auf meiner Seite.
00:15:04: Ich kann sie öffnen ich kann sie schließen Ich kann sagen, komm rein.
00:15:09: Nicht heute bis hierhin.
00:15:12: Langsamer anders.
00:15:15: Ja Nein Noch nicht Jetzt.
00:15:21: Gerade bei Intimität.
00:15:22: ist das wunderschön?
00:15:25: Also ja oder nein zu Sex?
00:15:30: Konsens ist lebendige Kommunikation.
00:15:33: Darf ich?
00:15:35: Ist es gut?
00:15:36: Langsame Weiter Stopp Anders?
00:15:42: Und ein Jahr von gestern ist kein Jahr für heute.
00:15:46: Ein Jahr am Anfang ist kein Ja bis zum Ende!
00:15:52: Eine Grenze darf sich verändern, das ist enorm wichtig.
00:15:57: und wenn wir wieder zum körperlichen kommen wie merke ich denn überhaupt meine Grenze?
00:16:05: Das ist nämlich die Voraussetzung.
00:16:08: Merke ich sie an einem Unterkiefer der auf einmal so fest auf den Oberkiefer beißt?
00:16:14: merke ich das an meinem Atem oder dass er anbleibt.
00:16:20: Merke ich es an meinem Bauch, der auf einmal anfängt unruhig zu werden.
00:16:26: Merk ich das am meinen Schultern die sich anfangen so hochzuziehen?
00:16:32: Merke Ich das an einem Rückzug, dass ich aber immer so nur eine kleine Bewegung nach hinten mache.
00:16:38: Merck ich das in einer Unruhe?
00:16:40: Kinder zum Beispiel sprechen davon dass sie anfühlt als würden auf einmal ganz viele Bienen im Körper sein oder Ameisen auf der Haut.
00:16:50: Spüre ich das an einer Hitze, dass so einem heiß wird?
00:16:53: Oder ein Herz klopfen?
00:16:57: und wenn wir dieses spüren, dieses winzige eigentlich möchte ich nicht.
00:17:08: und dann der Kopf kommt und sagt nun stelle dich doch nicht so an ist doch nur kurz guck mal sonst sind sie wieder enttäuscht.
00:17:18: Was sollen sie denn von dir denken?
00:17:20: Du hast doch eh schon zugesagt!
00:17:23: Und dein Körper flüstert.
00:17:28: Der Kopf eröffnet eine Powerpoint-Präsentation darüber, warum ja vernünftiger wäre.
00:17:34: Mh, das kennen wir alle oder?
00:17:38: Also dann lass uns mal über Verantwortung sprechen – denn das ist wichtig.
00:17:43: Meine Grenze ist, dass du nicht mehr mit deinen Freunden ausgehst.
00:17:50: Nein, das ist keine Grenze, das Kontrolle….
00:17:53: eine Grenze beschreibt, was tue ich wenn etwas für mich nicht in Ordnung ist.
00:18:01: Also beispielsweise nicht du darfst mich nicht anschreien sondern Wenn Du mich anschreist beendet das Gespräch und wir sprechen weiter, wenn wir beide ruhiger sind.
00:18:14: Ich bestimme nicht deinen Körper, ich bestimme meinen.
00:18:17: also Grenzen ohne Eigenverantwortung werden schnell zur Kontrolle Und das ist nochmal so ein extra Thema.
00:18:25: Wenn wir hier mal eintauchen in unseren Raum IGZ, wo Medizin mit psychosozialer Gesundheit zusammen sich verschmilzt dann leben ja unsere Gesundheitsberufe permanent mit Grenzen.
00:18:43: Also wir haben Nähe und professionelle Distanz.
00:18:46: Wir haben Ärztinnen die untersuchen intime Körperstellen Wir haben Hebammen die begleiten die geburt Pflegekräfte, die Körperwaschen, Therapeutenen.
00:18:57: Die Dinge hören, die Menschen sonst niemandem erzählen würden.
00:19:02: Sozialarbeiter, die in Familien kommen und Dinge sehen, die vielleicht noch nicht mal außenstehende Familienmitglieder sehen würden.
00:19:12: Und deshalb brauchen gerade helfende Berufe gute Grenzen – und nicht dafür dann weniger Beziehung!
00:19:19: Also sie brauchen eine gute Beziehungen mit Grenzen.
00:19:25: Denn wer jeden Fall mit nach Hause nimmt, jeden Mensch retten möchte und immer erreichbar ist wird ja irgendwann selber krank.
00:19:34: Und dann vielleicht sich selbst gewahr werden.
00:19:40: das Distanz nicht bedeutet weniger menschlicher zu sein sondern sie hilft uns menschlich bleiben zu können.
00:19:50: Versteht ihr was ich meine?
00:19:52: Also das ist das was ich von unseren Fachkräften hier immer wieder höre.
00:19:57: Diese Distanz, die es braucht um eben sich nicht zu sehr zu involvieren.
00:20:02: also auch ich als Therapeutin wenn ich mich zu sehr in die Geschichten der Menschen emotional verfangen würde dann könnte ich ja nicht mehr aus der Distanz und aus der Metaebene sie führen halten begleiten.
00:20:21: Wisst ihr was ich meine?
00:20:23: Und so ist es auch verantwortlich für uns als Privatmenschen, wenn wir als Elternteiler und Kollegen uns zu sehr ins Außen in die Geschichten der anderen involvieren und uns da reinfühlen.
00:20:39: Und mit fühlen – also mitschwimmen!
00:20:43: Dann verlieren wir ja die Kontrolle.
00:20:46: und nicht die Kontrollen weil wir etwas kontrollieren müssen sondern wir sind dann der Raumhalter für denjenigen gegenüber bei uns ist und mit uns ist, damit wir für den oder diejenige den Raum halten.
00:21:05: Das heißt sie brauchen ja diese Grenzen.
00:21:10: wenn ich als Mama mit meinen Kind ins Einkaufszentrum gehe das wirft sich auf den Boden weil es das und das nicht bekommt dann kann ich mich nicht mit auf dem Boden werfen Dann muss ich handlungsfähig bleiben.
00:21:29: also Am Ende würde ich Grenzen nicht mit einem Nein beenden, sondern mit einem Ja.
00:21:37: Denn eigentlich setzen wir Grenze nicht weil wir weniger leben wollen, sondern weil wir wissen möchten.
00:21:46: wozu sage ich ja wenn ich nein zu diesem Termin sage?
00:21:53: Denn auf dem gegenüber von dem Nein ist ja ein Ja.
00:21:59: also vielleicht sage ich dann ja zur Mehrruhe oder wenn ich Nein zu dieser Aufgabe sage, dann sage ich nämlich Ja zur meiner Gesundheit.
00:22:11: Wenn Ich Nein zu der Berührung sage, Dann sage ich an dem Moment ja zu meinem Körper.
00:22:20: Also wenn ich nein zu dieser Art sage mit mir zu sprechen, dann sag' ich Ja zu meiner Würde.
00:22:31: und wenn ich Nein zu permanente Erreichbarkeit sage Dann sage ich ja Ja zu meinem Leben außerhalb der Arbeit.
00:22:41: Wie mit unseren Kindern?
00:22:43: Wenn ich meinen Kind eine Grenze setze, sage ich vielleicht Ja zur Orientierung und zur Sicherheit.
00:22:54: Also wenn ich jemanden sage so nicht kann darin sogar ein Ja zur Beziehung liegen Denn Ich möchte mit dir verbunden bleiben aber Nicht um den Preis mich selbst dafür verlassen zu müssen Und das ist Vielleicht sogar der emotionale Höhepunkt.
00:23:17: Zurück zum Bild.
00:23:19: Ein Fluss braucht ein Ufer, nicht damit er weniger Fluss sein darf sondern damit er fließen kann.
00:23:26: Das Ufer gibt ihm die Richtung, die Form und den Halt Und vielleicht ist es ja mit uns ähnlich.
00:23:35: Unsere Grenzen sind nicht das Gegenteil von Freiheit.
00:23:37: Vielleicht machen sie Freiheit ja überhaupt erst möglich.
00:23:42: Vielleicht ist eine Grenze nicht bis hierhin und kein Schritt weiter, vielleicht ist sie zunächst eine Information.
00:23:49: Hier bin ich und dort bist du!
00:23:51: Ich möchte dich sehen und ich möchte dich hören – ich möchte dir vielleicht sogar lieben aber ich möchte mich dabei nicht
00:23:58: verlieren.".
00:24:00: Unsere Haut hat uns das eigentlich schon lange beigebracht.
00:24:04: Sie schützt uns und trotzdem lässt sie uns berühren.
00:24:07: Sie berührt ja sogar uns selbst.
00:24:09: Und vielleicht ist genau das die Kunst Durchlässig zu bleiben, ohne Grenzen loszuwerden.
00:24:16: Nähe zuzulassen, ohne sich aufzugeben.
00:24:20: Nein sagen zu können damit unser Ja wieder etwas bedeutet.
00:24:24: und vielleicht beginnt Gesundheit manchmal mit einem sehr kleinen Satz bis hierhin nicht gegen dich sondern für mich.
00:24:37: Gesundheit beginnt mit Grenzen.
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