Laura – Casemanagerin mit Systemblick und Stationserfahrung
Shownotes
Was passiert zwischen dem Arztbrief und dem echten Leben?
Laura weiß es – denn sie war dort. In der Pflege, auf Station, mitten im System.
Heute ist sie unsere Casemanagerin im NestWerk:
Sie baut Brücken zwischen Hausarzt und Hebamme, zwischen Therapiebedarf und Bürokratiechaos.
Sie studiert nebenbei Gesundheitswesen – und übersetzt, was sonst verloren geht.
Das IGZ NestWerk-Staaken und diese Podcastfolge wird gefördert aus den Mitteln des
"Landesprogramm integrierte Gesundheitszentren" der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Gesundheit und Pflege.
Transkript anzeigen
00:00:04: Willkommen bei Starkes aus Starken.
00:00:06: Dieser Podcast ist für alle, die mitten im Chaos weiter atmen.
00:00:11: Für alle, die sich was trauen, obwohl sie Angst haben.
00:00:15: Wir reden über Wege, die es offiziell nicht gibt.
00:00:18: Und über Kraftquellen, die man nur findet, wenn man wirklich hinschaut.
00:00:22: Im Körper, im Inneren und im Miteinander.
00:00:28: Starkes aus Starken.
00:00:30: Echt, roh und berührend.
00:00:35: Herzlich willkommen, liebe Laura.
00:00:37: Danke schön.
00:00:39: Magst du mal erst erzählen, wie du ... Nein, lass uns anfangen, wer du bist.
00:00:46: Ein beruflicher Hintergrund.
00:00:48: Und dann ... Warum bist du zu uns gekommen?
00:00:54: Also, beruflicher Hintergrund.
00:00:57: Gelernt habe ich ursprünglich Gesundheit zum Krankenpflegerin hier in Berlin.
00:01:02: Und habe dann mehrere Jahre auf einer geschlossenen Lakupsychiatrie erst mal gearbeitet.
00:01:09: Und um mich dann weiterzuentwickeln, bin ich in andere Krankenhäuser, in andere Fachbereiche gewechselt innerhalb von zehn Jahren und bin dann in der Onkologie und Palliativpflege für eine sehr lange Zeit gewesen, habe mich da weitergebildet.
00:01:26: Und immer wieder bin ich so an den Punkt gekommen, wo ich nicht so wirklich zufrieden war mit dem, was man Patienten Gutes tun kann oder immer wieder diese Limitierung zu merken, zu wissen, was diese Patienten jetzt bräuchten.
00:01:43: Aber man kann selber gar nicht Einfluss darauf nehmen, sondern man entlässt die Patienten nach Hause.
00:01:48: Und die Möglichkeiten für diese Leute zu Hause, gesund.
00:01:54: und gut weiter versorgt zu werden, die sind gar nicht so gegeben.
00:01:59: Und ich glaube, in so einer Stadt wie Berlin ist das noch viel extremer, weil hier sehr viele einsame Leute sind, die Familien sind nicht mehr so nah beieinander.
00:02:10: Und durch dieses Alleinsein kommen die Leute immer wieder ins Krankenhaus und bleiben dann letztendlich nur im Krankenhaus, weil sie niemanden haben, der sich um sie kümmert.
00:02:20: Und das war mal so frustrierend.
00:02:23: Und dann habe ich überlegt, okay, irgendwie müssten die Sachen mal anders laufen.
00:02:27: Und da bin ich auf den Studiengang gesposen, der sich mit neuen Versorgungskonzepten auseinandersetzt, wo es darum geht, gar nicht mehr nur die einzelne Profession zu sehen, die im Gesundheitssystem arbeitet, sondern wirklich ... Wie können alle, die beteiligt sind am Heilungs- und Gesundheitsprozess, gut zusammenarbeiten, um eine ganzheitliche Versorgung, nicht nur im Krankenhaus, sondern auch draußen zu Hause zu gewährleisten?
00:02:57: Ja, und nachdem ich dieses Studium angefangen habe, habe ich eine Stellanzeige gefunden von einem integrierten Gesundheitszentrum, nämlich dem Nestwerk.
00:03:08: Und dann dachte ich mir, okay, Ich habe jetzt zwar gerade erst angefangen, mich damit so auseinanderzusetzen, aber ich probiere es einfach mal
00:03:16: und
00:03:16: habe mich beworben.
00:03:18: Und so bin ich dann tatsächlich im Nestwerk gelandet.
00:03:21: Seit wann bist du bei uns?
00:03:23: Seit Februar.
00:03:24: Also jetzt seit sieben Monaten.
00:03:27: Und mit welchem Bild bist du bei uns gelandet?
00:03:30: Mit welchen Vorstellungen?
00:03:33: Ich hatte erst mal gar keine Ahnung.
00:03:36: wie genau das aussehen könnte.
00:03:38: meine Arbeit hier.
00:03:39: Also ich hatte mich beworben auf das Case Management, aber nun kam ich ja aus der stationären Versorgung und bin jetzt hier in die ambulante Versorgung eingestiegen.
00:03:50: Und das sind schon erstmal Unterschiede, weil auch so die Zusammenarbeit mit den Ärzten eine ganz andere ist.
00:03:56: Man ist nicht mehr so in einem Behandlungsteam auf einer Station, sondern es gibt hier diese verschiedenen Ich sage es mal Fachbereiche und alle arbeiten miteinander.
00:04:07: Und dann zu gucken, womit kommen die Leute hierher, was dann eigentlich so überhaupt deren Probleme hier ausstarken und wo macht es Sinn, die Leute zu unterstützen und wie macht es Sinn, die Leute zu unterstützen.
00:04:24: Und das war mir erst mal so gar nicht Klar, das habe ich dann so auf mich zukommen lassen und habe dann gemerkt, so mit der Zeit, okay, es gibt immer wieder die gleichen Themen.
00:04:35: Und das ist ganz häufig eine gewisse Art von Hilflosigkeit, wenn es um Behördenangelegenheiten geht, gar nicht zu wissen, was für Rechte einem zustehen als Patient, als Mensch, als erkrankte Person auch.
00:04:53: Das heißt, ich hatte Leute hier, die meinten, ich bin gar nicht krank, ich merke aber, ich werde krank.
00:04:59: Und in meinem Verständnis müsste jetzt die Krankenkasse ja mal was für mich machen.
00:05:03: Und ich denke mir ja natürlich, dafür ist die Krankenkasse ja da.
00:05:07: Und dann erst mal rauszufinden, was gibt es denn überhaupt für Möglichkeiten, solche Leute dann zu unterstützen, dass es bestimmte Kuren gibt, wie man die beantragt.
00:05:17: Da hab ich mich dann reingearbeitet.
00:05:19: Und ja.
00:05:21: Ich bin tatsächlich ganz glücklich damit, jetzt den Leuten auf einer ganz anderen Art und Weise unter die Arme greifen zu können als damals im Krankenhaus.
00:05:31: Ich habe gerade einen Unterschied wahrgenommen zwischen ambulant und stationär und auch zwischen Präventivmedizin.
00:05:42: Und wie könnte man die anderen nennen?
00:05:45: Die Akute, die Behandlung.
00:05:49: Wie schätzt du das denn ein, wie viele Präventivmedizin Gibt es und wie viel Zugang haben?
00:05:56: oder wie ist der Zugang für die Menschen zu Präventivmedizin auch im Verständnis?
00:06:02: Ich glaube also, wenn man sich das anschaut, Prävention allgemein wird ja in drei verschiedene Arten von Prävention unterschieden.
00:06:10: Das eine ist Krankheiten, Präventiv.
00:06:14: vorzubeugen, bevor sie überhaupt entstehen.
00:06:17: Dann gibt es aber zum Beispiel auch Prävention im Sinne von jemand hat eine Krankheit, soll aber trotzdem mit dieser Krankheit so lange wie möglich gesund bleiben.
00:06:27: Und ich glaube, dass gerade diese Idee, Leute so lange wie möglich gesund zu halten oder auch im Anfangsstadium einer Krankheit so zu unterstützen, dass diese Krankheit möglichst lange gut unter Kontrolle ist, ganz wichtig ist.
00:06:43: Also auch für das gesamte System, nicht nur das Gesundheits, sondern auch das Sozialsystem.
00:06:49: Denn je länger Menschen gesund sind oder gut mit einer Krankheit leben können, desto länger sind sie nicht so stark auf Hilfe angewiesen.
00:07:01: Und was ich immer total wichtig finde, ist auch, dass Leute das Gefühl haben, der eigene oder die eigene Expertin für sich selbst zu sein.
00:07:10: Das heißt, die Leute wissen im besten Fall ganz genau, was tut mir gut, was tut mir nicht so gut, wie kann ich das vermeiden und so zu mehr Wohlbefinden finden, obwohl sie vielleicht eine Diagnose haben, die auf lange Sicht, aber eben wirklich auf lange Sicht, dann doch Einschränkungen bringt.
00:07:30: Und dann ist auch die Frage, wie kann ich mit diesen Einschränkungen gut umgehen, sodass ich mich trotzdem noch in meinem Alltag gut fühle.
00:07:39: Und
00:07:40: das fehlt mir.
00:07:41: Also im Krankenhaus habe ich Leute, dem wird gesagt, sie haben ne chronische Lungenerkrankung und die ist chronisch.
00:07:48: Aber den Leuten geht es in dem Moment gar nicht so schlecht.
00:07:51: Das ist ein guter Ansatzpunkt, aber dann passiert gar nicht so viel weiter.
00:07:55: Also man kann dann natürlich sagen, achten Sie darauf, nicht zu rauchen, achten Sie darauf, zu inhalieren, verschiedene Sachen zu machen, Sport zu machen.
00:08:05: Aber dann gehen die Leute nach Hause.
00:08:07: Sie merken in dem Moment gar nicht erst mal unbedingt ihre Krankheit.
00:08:11: Und dann dieses Wissen zu haben und dieses Verständnis zu haben, warum ist denn das eigentlich so notwendig?
00:08:17: Und wo komme ich an, wenn ich das nicht beachte, das fehlt immer.
00:08:23: Und dann wären die Leute einfach schnell kränker.
00:08:26: Und dann merken sie diese Einschränkung plötzlich und dann hat man aber viel weniger Handlungsspüre.
00:08:32: Das heißt,
00:08:33: warum?
00:08:34: Ist dann das EZ jetzt so wichtig und so neu und so anders?
00:08:39: Und was ist der Unterschied zu einem?
00:08:42: Ich habe ein Ärztehaus und dann habe ich noch alle anderen Einrichtungen, die sich um so eine Sache kümmern.
00:08:51: Ich glaube, der große Vorteil ist, dass wir hier alle unter einem Dach sind.
00:08:56: Das heißt, für die Leute ist das ein unfassbar kleiner Weg von der Erzpraxis zu uns.
00:09:03: Dann haben wir ein sehr breit aufgestelltes Team mit Experten aus allen möglichen Bereichen, die sich mit ganz unterschiedlichen Blick diesen Personen widmen können.
00:09:14: Und dann diese Nichtzeit haben, wenn eine Diagnose gestellt wird oder wenn jemand gerade irgendwie erfahren hat, dass er krank ist oder dass er das Risiko hat, das können wir kompensieren in dem Moment.
00:09:29: im ärztlichen Kontakt einfach nur eine gewisse Zeit da ist und die ist nicht lang und da alles rein zu packen, viele Sachen müssen ja auch mal sacken, dann muss man darüber schlafen, dann muss man das Gespräch noch mal haben.
00:09:43: Das ist so gar nicht leistbar für die niedergelassenen Ärzte, auch im Krankenhaus nicht.
00:09:49: Und bei uns gibt es aber dann diese Anlaufstelle direkt.
00:09:53: Die Leute kennen uns durch die Ärzte und Ärztinnen.
00:09:56: Dadurch ist häufig schon irgendwie ein Vertrauen da, weil wir einfach mit dazugehören.
00:10:01: Und wir haben eine Stunde Zeit pro Termin, ganz in Ruhe und dann auch so ganz individuell zu gucken, wo braucht's denn gerade was?
00:10:11: Und dann können wir darauf eingehen.
00:10:13: Und gerade ich mit den Erstgesprächen, ich kann gucken, okay, was bräuchte die Leute jetzt an die Hand, so Informationen über ihre Erkrankungen und worauf sie achten müssen.
00:10:24: Aber Erkrankungen macht ja auch was mit der Psyche, zum Beispiel oder mit Familiengefügen.
00:10:30: Wenn die alleinerziehende Mutter eine schwere Diagnose bekommt, dann macht die sich ja auch Sorgen, was ist denn jetzt mit meinen Kindern, kann ich Unterstützung bekommen.
00:10:38: Und wenn ich das mitbekomme, dann kann ich direkt ... eine meiner Kolleginnen mit ins Boot holen.
00:10:45: Und die macht dann für ihren Fachbereich oder Expertenbereich noch mal nicht nur eine Beratung, sondern wir machen ja viel mehr.
00:10:52: Wir stoßen ja auch Sachen an, wir helfen dabei Kontakt aufzunehmen, wir begleiten zu bestimmten Dingen.
00:10:59: Und so ist diese Person direkt in so einem Netz und fällt gar nicht erst durch.
00:11:05: Und das finde ich so zufriedenstellend tatsächlich auch.
00:11:10: Was bringst du aus deiner Expertise mit?
00:11:13: Was fließt von dir in dieses Projekt?
00:11:18: Wenn du dich jetzt malen könntest, dass man sich deine Expertise besser vorstellen kann, wie würdest du dich beschreiben?
00:11:31: Ich glaube, was ich mitbringe, ist, was man als Pflegekraft im Krankenhaus ganz häufig macht, ist, die Leute hatten ein Arztgespräch.
00:11:39: sagen, ja, okay, und dann kommt man als Pflegekraft dazu.
00:11:42: und dann fragen die Leute, was ist mir eigentlich gerade gesagt worden.
00:11:45: Sie verstehen es nicht.
00:11:47: Medizin ist was total komplexes und das muss gut erklärt werden.
00:11:53: Und ich glaube, dass das wirklich was ist, was ich gut kann, also diese hoch komplexen medizinischen Sachen so runterzubrechen und einfach zu erklären, dass die Leute, die keine Experten sind, trotzdem verstehen, was ist denn mir jetzt eigentlich gerade gesagt worden.
00:12:09: Also Sachen einfach zu erklären, obwohl sie eigentlich sehr komplex sind.
00:12:13: Das ist sowas, was man von Anfang an im Krankenhaus lernt.
00:12:17: Und das ist ja schon der erste Schritt, dass die Leute überhaupt verstehen, was passiert denn jetzt gerade mit mir und warum so bestimmte Dinge wichtig.
00:12:25: Und was ich auch... glaube ich, sehr gut kann, ist zu Netzwerken.
00:12:31: Also in dieser Zeit, in der ich jetzt hier bin, habe ich mir angeschaut, was gibt es denn hier für Möglichkeiten?
00:12:36: Und in Starken gibt es unglaublich viele Anlaufstellen für alles Mögliche.
00:12:41: Und dann zu sagen, okay, dann gehe ich mal dahin, ich unterhalte mich mal mit den Leuten, ich gucke mir die auch mal persönlich an.
00:12:47: Was machen die eigentlich, um so eine Idee zu bekommen, mit welchem Problem ich die Leute wohin schicken kann?
00:12:53: Und dann auch ganz einfache Wege.
00:12:56: zu organisieren.
00:12:57: Das heißt, ich arbeite ganz viel mit dem Pflegestützpunkt zusammen, zum Beispiel.
00:13:02: Und da ist es so, dass ich Einverständnis mit den Leuten, die zu uns kommen, da mit dem Pflegestützpunkt schon mal so eine Mini-Übergabe mache, die wissen sofort, okay, was ist eigentlich so das Thema, dann rufen die die Leute an und machen mit denen Termin aus.
00:13:18: Und da ist schon eine Hürde genommen, nämlich dieses, ich gehe jetzt nach Hause und dann muss ich aber jemand Fremdes anrufen und einen Termin ausmachen und dann reiche ich die Leute vielleicht beim ersten Mal nicht.
00:13:29: Ganz viele geben da schon auf.
00:13:31: Und indem man die Wege so einfach wie möglich gestaltet, umso mehr Leute kommen, dann tatsächlich auch außerhalb des Ärztehauses, da an wo sie die Hilfe bekommen, diese Benötigen.
00:13:43: Du bist eine
00:13:43: Vermittlungsagentur.
00:13:45: Ja.
00:13:49: Du bist ... Der Date-Loktor.
00:13:55: Oder Reisebüro.
00:13:57: Reisebüro ist auch schön.
00:13:59: Andererseits wissen die Menschen dann, naja, ich will da und dahin reisen, obwohl es wissen sie auch, sie sagen, schick mich wieder ins gesunde
00:14:05: Land.
00:14:07: Und du weißt, in welchem Land man wieder gesund war.
00:14:11: Voll schön.
00:14:14: Voll schön.
00:14:17: Was glaubst du, sind noch so die Hürden von den Menschen?
00:14:22: Wir sprechen ja oft von Selbstermichtigung.
00:14:28: Wo bräuchten die Menschen noch mehr Werkzeug vielleicht, um das auch irgendwann alles selber hinzubekommen?
00:14:38: Ich finde halt, wir sind halt in Deutschland, ne?
00:14:40: Hier ist alles irgendwie komplex und sehr bürokratisch und unser Gesundheitssystem ist auch unfassbar komplex und dauernd ändern sich Dinge und Wenn man sich damit nicht intensiv befasst, dann weiß man ja überhaupt nicht, was einem zu steht, was man machen könnte.
00:15:03: Und dass die Leute damit dann, also die stehen vor einem riesen Berg und die wissen gar nicht, wo sie anfangen sollen und das so ein bisschen aufzutröseln für die und denen so eine Idee zu geben.
00:15:17: das sehe ich als eine ganz wichtige Aufgabe tatsächlich.
00:15:20: Und das ermächtigt die Leute dann auch selbstperspektivisch.
00:15:23: Wenn sie einmal wissen, okay, ich hab jetzt das Gefühl, mein Pflegegrad ist nicht mehr hoch genug, irgendwas hat sich verschlechtert zum Beispiel, dann wissen sie das nächste Mal sofort, wo sie sich hinwenden können.
00:15:37: Und verharren gar nicht unbedingt oder im besten Fall in so einer Hilflosigkeit, sondern über die Zeit generieren sie selbst so einen Wissen.
00:15:47: welche Ansprechpartner gute Unterstützung sind.
00:15:49: Es bilden sich auch Beziehungen, man vertraut den Leuten.
00:15:53: Und wenn das nächste Mal irgendwie dieses Überforderungsgefühl ist, dann ist es für sie leicht, sich die Hilfe zu holen, die sie brauchen.
00:16:01: Das ist immer meine Hoffnung tatsächlich.
00:16:05: Was glaubst du, wie viel Scham spielt da eine Rolle?
00:16:08: Ich stelle mir das so vor, es gibt auch so viele Krankheiten, die sind so scham behaftet.
00:16:15: Und damit ... Und auch scham behaftet von, wir sind ja so eine Leistungsgesellschaft.
00:16:20: Und wenn wir eine Diagnose bekommen, dann ist das ja auch die gleich, also gleichzeitig die Diagnose von, jetzt bist du nicht mehr leistungsfähig, jetzt bist du schwach, du bist jetzt Teil des Systems und abhängig und all das geht ja los.
00:16:38: und wie viele dann ins Vermeiden gehen.
00:16:41: und nein, ich hab das nicht und ich krieg das alles alleine hin.
00:16:45: Ich glaube, dass das auch so bei bestimmten Krankheiten ist, ist ganz normal, dass man auch versucht, zu verhandeln oder das gar nicht unbedingt am Anfang alles so überblicken kann.
00:16:56: Und das macht es schwer, weil man erst mal ja die Erkenntnis braucht.
00:17:01: Ich kann bestimmte Dinge jetzt gerade nicht mehr.
00:17:04: Dann, was du schon gesagt hast, muss man diese Schaben überwinden, sich Hilfe zu holen.
00:17:12: die sie dann auch annehmen können und sich trotzdem dann, auch wenn man Hilfe annimmt, nicht wertlos oder so zu fühlen, sondern das sage ich immer wieder bei meinen Leuten.
00:17:22: Es steht ihnen zu.
00:17:24: Sie haben sich das verdient.
00:17:26: Und sie nehmen niemandem was weg, wenn sie jetzt ihre Angehörigen pflegen, zum Beispiel auch und da so viel Zeit rein investieren.
00:17:35: Das Pflegegeld steht ihnen zu.
00:17:38: Die Reha steht ihnen zu, wenn sie krank sind.
00:17:42: Sie dürfen das.
00:17:43: Und gerade bei den älteren Leuten habe ich immer wieder das Gefühl, dass sie ein totales Problem damit haben und dann immer so sich schuldig fühlen.
00:17:51: und dieses Gefühl den Menschen zu nehmen, das finde ich total wichtig.
00:17:56: Ich
00:17:59: glaube, das ist auch der Dreh- und Angelpunkt in unserer Arbeit, Beziehungsarbeit, Vertrauen aufbauen, dieses Gefühl überhaupt erst mal zu vermitteln.
00:18:12: Ich nehm das immer so als... Das ist eigentlich der Türöffner, überhaupt mit den Menschen arbeiten zu können, also diesen Perspektivwechsel einzunehmen, wie derjenige sich gerade fühlt.
00:18:25: Mit dieser Diagnose, mit dem, was da jetzt kommt, mit dieser Ohnmacht, mit Angst.
00:18:32: Angst, Scham, Ohnmacht.
00:18:35: Und was das im Außen bedeutet, in den eigenen Handlungsstrategien, dass halt gewisse Sachen für den Menschen gerade einfach gar nicht gehen.
00:18:43: Weil er in seiner Ohrmacht versteckt, in seiner Angst versteckt.
00:18:47: Was ist da der erste Schritt?
00:18:49: Warum kriegst du das zum Beispiel so gut hin?
00:18:52: Das sind halt diese Hürden, die man hat, je weiter das schon fortgeschritten ist und je länger dieses, ich ige mich zu Hause ein, ich versuche irgendwie klarzukommen.
00:19:04: Ich möchte keine Hilfe.
00:19:06: Je länger das besteht, desto schwieriger ist das, das aufzubrechen.
00:19:14: Ich glaub einfach, dieses sich hineinversetzen können, diese Empathie dann auch zu haben, über die Jahre auch schon so ein bisschen im Kopf zu haben, was ist denn typisch?
00:19:25: Also was sind denn typische Gedanken oder Sorgen?
00:19:29: Und die dann auch mal ganz aktiv anzusprechen, zu spiegeln, zu sagen, ich hab grad das Gefühl, sie wissen gar nicht, was sie jetzt machen sollen, wenn sie nach Hause kommen.
00:19:39: Und dann dafür gucken, eine Lösung zu erarbeiten.
00:19:43: auch was an die Hand zu geben.
00:19:45: Die Leute jetzt nicht irgendwie nach draußen zu lassen und die haben das Gefühl, die sind gerade in den Loch gefallen, sondern das nochmal einzufangen, bevor man die Leute dann mit einem guten Gewissen erst mal wieder nach Hause schicken kann.
00:19:57: Und das kann auch sein zu sagen, ich kann auch einfach in zwei Tagen mal ein Hausbesuch machen und dann komme ich zu ihnen nach Hause und dann reden wir da mal und dann gucken wir uns das einfach mal an.
00:20:09: Ich bin immer wieder überrascht, wie offen die Leute dafür sind.
00:20:12: Ist ja doch was total Privates und Intimes, so die eigene Wohnung.
00:20:16: Aber die freuen sich dann tatsächlich.
00:20:18: Und dann mag ich das grad bei den Ätheren auch total gerne so ein bisschen in die Biografiarbeit erst mal zu gehen.
00:20:25: Das heißt, zu gucken, was hängen denn dafür Bilder und so ein bisschen erzählen zu lassen.
00:20:30: Und dann blühen diese Leute irgendwie auf in ihren Erzählungen.
00:20:33: Und man ist ... Ganz schnell keine fremde Person mehr dann in diesem Moment.
00:20:39: Und dann kann man noch mal auf einer ganz anderen Ebene miteinander arbeiten.
00:20:43: Und auch so dieses auf Augenhöhe bleiben, finde ich total wichtig.
00:20:47: Weil Gesundheitsberufe neigen immer so ein bisschen dazu von oben herab, dem Patienten aufs Diktieren zu wollen, was er jetzt zu machen hat.
00:21:01: Oft vergisst man dann, dass das eine eigene Persönlichkeit ist und dass das auch mal ein gestandener Mensch war.
00:21:06: Auch wenn diese Person jetzt alt ist und irgendwie hilfebedürftig ist.
00:21:11: Die Seele in diesem Menschen, der Geist, hat ja so viel schon erlebt und so viel in seinem Leben schon durchgemacht.
00:21:17: Und das immer so mitzudenken und zu sagen, ich biete jetzt was an, aber es ist völlig okay, wenn du das nicht in Ordnung findest und dann finden wir eine andere Lösung und wir arbeiten hier gemeinsam an dem Problem.
00:21:30: Ja.
00:21:33: War schön.
00:21:36: Das heißt abschließend, was würdest du gerne den Menschen da draußen mitgeben, damit sie sich selber einen Schub geben?
00:21:50: Wir beißen nicht.
00:21:52: Wir sind wirklich... Ich glaube, es gibt wirklich nichts, was wir alle nicht schonen.
00:21:59: so unsere Erfahrungen auch schon vorher außerhalb des IGZ gemacht.
00:22:03: Wir haben so viele schon erlebt und gesehen und ich glaube, dass man überhaupt keine Scham haben muss, sich uns mit irgendwas anzuvertrauen.
00:22:14: Ganz oft ist es so, die Leute kommen zu uns und sind total überrascht, wenn sie hören, dass das ein Problem ist, was einmal die Woche an uns herangetragen wird.
00:22:24: Ganz häufig gibt es diese Problemfelder im ganzen.
00:22:30: die Leute sind damit nicht alleine und sie können sich damit einfach uns anvertrauen.
00:22:35: Und auch wenn erst mal alles irgendwie total hoffnungslos wirkt, in irgendeiner Art und Weise haben wir bisher glaube ich immer eine Lösung gefunden und niemand wird gezwungen.
00:22:47: Also in dem Moment wo es heißt, ah nee, das ist jetzt dann doch nichts für mich oder ich brauche doch nochmal irgendwie Zeit, um das alles zu verarbeiten.
00:22:58: Ich melde mich vielleicht in drei Monaten noch mal.
00:23:00: Auch das ist überhaupt kein Problem.
00:23:02: So, unser Angebot ist da und ist, ich hoffe, ganz niederschwellig.
00:23:08: Und wir versuchen, ganz einfache Lösungen zu finden und uns einfach durch diesen Berg zusammen durchzuarbeiten.
00:23:15: Und da braucht man keine Berührungsängste mit uns haben.
00:23:20: Das stimmt.
00:23:22: Das kann ich bestätigen.
00:23:26: Und?
00:23:27: Eine letzte Frage, eins Punkt eins, weil ich eben schon gesagt habe, letzte Frage.
00:23:32: Natürlich möchte ich noch unseren Zuhörern einen Ausblick geben, was man von dir noch alles erfahren wird.
00:23:42: Also der Podcast soll ja auch ganz viel in die weite Welt geben, was wir im Einzelnen tun.
00:23:51: Da bedient dieser Podcast, dass wir mehr Menschen erreichen, das was du eben schon gesagt hast.
00:23:57: Es gibt ganz viele von euch da draußen, die dieselben Themen haben.
00:24:03: Und was wird es von dir geben in Zukunft in diesem Podcast?
00:24:08: Was sind so deine Lieblingsthemen, die du gerne noch breiter nach draußen bringen möchtest?
00:24:14: Also Themen, die mir immer wichtig sind, sind tatsächlich die pflegenden Angehörigen.
00:24:21: Ich weiß, wie viel Arbeit es macht, Leute zu pflegen.
00:24:25: Und ich war immer in der Position, nach acht Stunden sagen zu können, okay, ich hab jetzt Feierabend.
00:24:29: Ich kann's nach Hause, ich kann abschalten.
00:24:31: Diese Menschen können das nicht.
00:24:33: Die haben einen twenty-four-seven-job.
00:24:35: Und die, ohne die würde unser Gesundheitssystem von einem Tag auf den anderen zusammenbrechen, die sind so wichtig.
00:24:41: Und diese Leute gut anzuleiten, so ganz einfache Tipps zu geben, hey ... Ich weiß gerade gar nicht, mein Angehöriger zu Hause möchte nicht gerne essen.
00:24:53: Oder wie mache ich denn das überhaupt?
00:24:55: Ich bin neu in dieser Situation.
00:24:57: Da ganz einfache Handreichungen, Ideen, Beratung zu geben, das ist mir total wichtig.
00:25:04: Leute, die in irgendeiner Art und Weise eine Diagnose haben, mit der sie überfordert sind oder die sie überrollt.
00:25:12: Oder wo sie gerade gar nicht so wirklich wissen, was sie sich Gutes tun können.
00:25:17: solche Leute hätte ich total gerne immer wieder in der Beratung, dass man zusammen guckt, wo sind denn Stellschrauben, was kann man denn Gutes machen, auch so die Angst zu nehmen, ein Stück weit dann.
00:25:30: Demenz ist ein großes Thema, was uns auch hier immer mehr, also ja, auf uns zukommen wird.
00:25:40: Gerade da dann auch zu schauen, ich habe mittlerweile einige Anlaufstellen für liegende Angehörige, für Demenzerkrankte, da gute Lösungen zu finden für den Alltag.
00:25:50: Das sind so die Themen, mit denen ich mich immer viel beschäftige.
00:25:55: Ich persönlich finde dein Thema auch hospiz.
00:25:58: Leider sehr, sehr spannend.
00:26:02: Das ist ja etwas, was wir nebenbei auf Ihren Amt.
00:26:08: Basismast.
00:26:10: Vielleicht werden wir dieses Thema auch mal nun dran.
00:26:13: hier rein holen.
00:26:14: Ja,
00:26:15: also gerade so palliative Pflege zu Hause,
00:26:18: das
00:26:18: glaube ich auch.
00:26:19: was, was hier mit Sicherheit stattfinden wird, was bisher aber gar nicht so bei uns angekommen ist, wo ich mir immer denke, wo sind die Leute und wie sieht es denn eigentlich aus?
00:26:31: Also kann man da auch ganz einfach mal sagen, ich komme mal nach Hause, ich schaue mir die Situation an, ich kann Tipps geben, gerade so bei der Pflege von Leuten, die bald versterben werden.
00:26:45: Das sind noch mal ganz intime besondere Momente.
00:26:50: Und ja, das ist tatsächlich was, wo ich hoffe, dass wir da noch mehr unterstützen können.
00:27:00: Also von daher, liebe Zuhörer, ihr könnt uns auf unserem Instagram folgen, Webseite.
00:27:10: Ihr könnt hier reinschreiben, all eure Fragen, alles, was euch interessiert und was ihr an Wissen aus Laura rausziehen wollt.
00:27:23: Inspiriert sie mit euren Fragen und dass sie bedarfsgerecht die Antworten hier reinsenden kann.
00:27:34: Also, ihr werdet noch ganz viel von Laura erfahren.
00:27:38: Schön, dass ihr erst mal hier zugehört habt.
00:27:41: Ganz bald.
00:27:42: Tschau.
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